der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 5

Sie kam mit der Post und liegt nun auf dem kleinen Standart-IKEA-Beistelltisch, der wahrscheinlich in jedem zweiten mitteleuropäischen Haushalt zu finden ist. Sie ist eine orange Postkarte mit dem Gesicht einer Freundin aus meinem ehemaligen Wohnort in Mittelhessen auf der Deckblattseite und gleichzeitig die Einladung zu ihrem 30.Geburtstag, gefeiert wird in eben diesem Exwohnort.

3. Wochenende im Oktober… Und der sofortige Gedanke: Mittelhessen ist doch von Südhessen nur ein paar Mäuseschritte (okay, 157 einkmgroße Mäuseschritte) entfernt. Nur ein paar Mäuseschritte, die mit Muttis Soljankaschüsselauto in maximal eineinhalb Stunden zurücklegbar wären.

Dann könnte ich klingeln (wobei sich mein Kopf nur kurz die Frage stellt, ob ich mich anmelden sollte oder besser nicht? Diese Frage aber dann auf später verschiebt) und ihn mitnehmen. „Am liebsten bis nach Hause“, ruft das äußerst ausgeprägte Ungeduldsareal meines Hirns, nach kurzer Abwähgung der rechtlichen und zwischenmenschlichen Konsequenzen denke ich (wieder mit dem gesamten Kopf): „Nein, aber ein Stück ins Grüne…“.

Bei einem Spaziergang durch eben dieses Grüne – durch den Wald – würde er am ehesten den Kältepanzer abschütteln, den er sich zugelegt hat, weil ich ihm weh getan hab. Und vielleicht könnten wir sprechen wie früher (nicht über die Liebe, unsere Liebe) über das Leben, über die letzte und die kommende Woche, über Pläne und vielleicht nach all diesem Sprechen, der Waldluft, dem Öffnen des Kältepanzers, den wegspazierten Metern, vielleicht könnte er dann für einen Moment vergessen, dass ich ich verletzt hab und mich wieder ein bisschen in sein Herz lassen.

„Vielleicht regnet es aber auch!?“, ruft der pessimistische Hirnteil ins gedankliche WirrWarr.

„Vielleicht aber auch nicht…“ Ich schaue auf den Dienstplan und stelle fest, dass ich nicht arbeiten muss. Auch am Montag drauf nicht, also steht dem Geburtstag und dem sich ungestüm ins (Un)Glück stürzen fast nichts im Wege.

 

 

Anbei zur Erweiterung des innerdeutschen Ost-West-Austausches: Bei Soljanka handelt es sich um eine russische Spezialität, um eine in der ehemaligen DDR sehr beliebte Restesuppe. Und eine Soljankaschüssel ist somit einfach eine Suppenschüssel und ein Wort, das innerfamiliär als Spitzname für sehr kleine Autos herhalten muss . So auch für das meiner Mutter, auch wenn das eigentlich Moritz heißt.

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4 Kommentare - “der verlorene Kampf um die Liebe – Teil 5”

  1. Sommersonne Says:

    Du Liebe…

    Er hat Dir gesagt, Du sollst ihn loslassen.

    Ich habe die letzten Tage sehr schmerzlich erfahren, was es heißt, solche Worte nicht hören zu wollen.

    Natürlich wäre es an Dir – nachdem, was geschehen ist – ihm zu zeigen, wie Deine Gefühle für ihn sind.
    Aber glaube mir, so oder so, einen Sprung im Glas wird man immer sehen.
    Ich wollte das nicht wahr haben. Sonst hätte ich mir viel Leid erspart.

    Mache Deine Versuche. Und wenn es nur ist, um abschliessen zu können und Dich nicht immer und immer wieder fragen zu müssen, ob Du etwas hättest anders machen können.

    Aber sei vorbereitet auf alles…

    Möge Dir das geschehen, was das Beste für Dich ist.

    Deine Sommersonne

  2. chinomso Says:

    Dann stammst du wohl auch aus dem Soljanka Land?**grübel**

  3. Himmelhoch Says:

    Hallo, ich schon wieder, aber diesmal nicht zur Liebe, sondern zur „Soljanka“. Ich konnte Freunden und Familie kaum eine größere Freude machen als Soljanka zu kochen. Das Problem dabei war immer nur, den Engpass „Letscho“ und „Ketchup“ zu überwinden und diese unbedingt notwendigen Zutaten schon lange im voraus zu besorgen. Berlin (Ost) war ja zwar überdurchschnittlich verwöhnt, aber … Bei mir kam nicht ein einziger Rest in die Suppe, sondern bestes Kassler, „gute“ Salami und und und. – Meine Mutter hat sich zu ihrem 95. Geburtstag diese Suppe gewünscht. Es gibt sie zwar auch zu kaufen, aber sie hat sich nur den Namen von der richtigen ausgeborgt.
    Jetzt muss ich weiterlesen. – Viel Glück noch für den Rest-Januar und danach wünscht
    Martha


  4. Oh, das seh ich ja jetzt erst…

    Ich habe Kommentare über Kommentare! Ich freu mich.
    Wir aus dem Soljanka-Land (womit ich mal eben dezent die Frage von chinomso beantworte) kochen die Suppe auch restefrei, was aber meist an der Leere meiner Mutters Kühlschrankes liegt… Bei und ist sie allerdings ohne Kassler dafür aber mit Würstchen.


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